Kostenfalle im Internet – Abzocke oder zulässiges Geschäftsmodell?

Brieffreundschaft mit einem Abzocker

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Mal schnell ein kostenloses Programm runter laden, Bastelvorlagen für den Weihnachtsschmuck oder ein Gedicht zur Goldhochzeit der Großeltern. Alles kein Problem, einfach kurz die Suchbegriffe in Google eingeben und schon wird man fündig.

Die schönen bunten Seiten mit ihren Angeboten können aber schnell zum bösen Ärgernis werden. Wer also freizügig seine Daten preis gibt landet schnell in einem Abo. Die Seiten werden deshalb zur Kostenfalle da die Preise für die Internet Abos für Verbraucher oft nicht sichtbar sind. Die Anmeldung erfolgt in dem Bewusstsein, dass die Dienstleistung kostenlos ist. In der Regel sind die gesuchten Informationen auch kostenlos im Netz zu finden und gerade dies wird von findigen Firmen ausgenutzt. Sie gestalten die Seiten so, dass bei späterer Betrachtung tatsächlich ein Kostenhinweis sowie der Verweis auf ein lange Vertragslaufzeit zu finden ist. Aber eben erst später. Wer auf eine Internetkostenfalle reingefallen ist, sucht natürlich penibel nach dem Kostenhinweis. Beim erstmaligen Betrachten der Seite und dem guten Glauben, dass es sich um eine seriöse Seite handelt, fällt der Preis nicht ins Blickfeld des Betrachters. Es stellt sich die Frage muss ich zahlen?

Fraglich ist schon, ob es überhaupt zu einem wirksamen Vertragsschluss gekommen ist. Nach Meinung der Verbraucherzentralen und etlicher Juristen ist dies nicht so. Der Anbieter hat in diesem Fall keinen Anspruch auf eine Zahlung. Selbst wenn es zu einem Vertragsschluss gekommen wäre, gibt es Möglichkeiten sich von Vertrag zu lösen. Da wäre z.B. das gesetzliche Widerrufsrecht. Dies erlaubt es sich von im Internet geschlossen Verträgen in der Regel innerhalb von zwei Wochen wieder zu lösen. Die Frist ist oft aber erheblich länger da Verbraucher in einer bestimmten Form über die Widerrufsmöglichkeit informiert werden müssen. Wird dies nicht eingehalten, z.B. weil der Text der Widerrufsbelehrung nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprach, ist auch noch Monate später eine Rückabwicklung des Abos möglich.  Der Anbieter wird in vielen Fällen trotzdem Versuchen Verbraucher mürbe zu machen und zum Ausgleich der Rechnung zu bewegen. Sei es mit Inkassoschreiben oder Drohungen durch einen Rechtsanwalt. Hier heißt es Ruhe bewahren.

Dazu ein kleines Video wie man in die Kostenfalle tappen kann:

Die Betreiber der Internetseiten sehen sich als normale Geschäftsleute und bezeichnen die Abos als zulässiges Geschäftsmodell. Für die meisten Verbraucher handelt sich schlicht um Abzocke gegen die sie sich wehren sollten.

Das Landgericht Berlin hat nun in einem Urteil gegen den Anbieter OPM Media das Gefühl eines Verbrauchers bestätigt. Einen ausführlichen Bericht dazu findet man auf den Seiten von Computerbetrug.de.

Tipp:
Wer sich gegen unberechtigte Forderungen wehren möchte findet auf den Seiten der Verbraucherzentrale NRW einen Musterbrief. Dieser kann entsprechend angepasst und an den Anbieter verschickt werden. Aus Beweisgründen empfiehlt sich ein Einschreiben mit Rückschein.

Eine Liste mit Anbietern von Internetabos hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen zusammengestellt..

Aktualisiert am 23.05.12

2 Gedanken zu “Kostenfalle im Internet – Abzocke oder zulässiges Geschäftsmodell?

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