Anbieterwechsel – Bundesnetzagentur verhängt Bußgelder

Der Anbieterwechsel zu einem anderen Telefonanbieter sollte nach der letzten Änderung des Telekommunikationsgesetz (TKG) im Jahr 2012 eigentlich ein Kinderspiel sein. Die Praxis sieht leider beim Anbieterwechsel und auch beim Umzug des Telefonanschlusses aufgrund eines Wohnungswechsels oft anders aus. Entweder der Anschluss bleibt tot oder es gibt einen Streit über die Sonderkündigungsfristen, wenn der Anbieter am neuen Wohnort nicht liefern kann. Die Bundesnetzagentur hat nun gegen drei große Telekommunikationskonzerne saftige Bußgelder verhängt. Im nachfolgenden finden Sie die wichtigsten Punkte die beim Anbieterwechsel zu beachten sind.

Bußgelder wegen Störungen beim Anbieterwechsel

„Endkunden sollen vor langwierigen Ausfällen beim Anbieterwechsel geschützt werden. Die Unterbrechung darf nicht länger als einen Kalendertag andauern.“ so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Um gegen größere Verzögerung vorzugehen hat die Bundesnetzagentur nun gegen einige große Anbieter Bußgelder in Höhe von 225.000 Euro verhängt. Damit der Wechsel möglichst ohne Schwierigkeiten klappt, können Verbraucher bereits im Vorfeld viel selbst richtig machen.

Richtig kündigen

Um den Wechsel des Anbieters so ideal wie möglich einzuleiten, sollten Sie sich zunächst erkundigen wie lange Ihr alter Vertrag noch läuft. Da der alte Vertrag üblicherweise nicht von alleine ausläuft, sondern gekündigt werden muss, hat dieses Datum eine große Bedeutung. Sie müssen dafür sorgen, dass Ihre Kündigung unter Einhaltung der Kündigungsfrist beim Anbieter eingeht. Die Kündigungsfrist ist wie die Vertragslaufzeit im Vertrag, in der Regel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), festgelegt. Diese darf drei Monate nicht übersteigen. Zum Kündigen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie übernehmen die Kündigung selbst oder Sie lassen durch Ihren neuen Anbieter kündigen.

Unser Rat: Lassen Sie die Kündigung durch den neuen Anbieter durchführen. Dadurch können sich die Anbieter untereinander besser abstimmen, wann die Übergabe der Leitung erfolgen soll. Gleichzeitig wird – sofern von Ihnen gewünscht – die Rufnummer portiert. Das heißt, der neue Anbieter übernimmt Ihre alte Rufnummer auf den neuen Anschluss. Achten Sie bei Anschlüssen mit mehreren Rufnummern unbedingt darauf, dass alle Rufnummern die Sie mit zum neuen Anbieter nehmen möchten im Portierungsformular aufgeführt sind. Eine weitere Fehlerquelle kann die Angabe der Anschlussinhaber und deren Anschrift sein. Prüfen Sie unbedingt, ob die Daten die Ihr alter Anbieter vorliegen hat mit den Daten des Portierungsformulars zu 100% übereinstimmen.

Beispiele:

Der alte Anschluss wurde von Hans Mustermann im Jahr 1982 abgeschlossen. Herr Mustermann ist mittlerweile verstorben, seine Frau Maria nutzt den Anschluss seit Jahren unter seinem Namen weiter und möchte nun aber den Anbieter wechseln. Steht nun im Portierungsformular der Name Maria Mustermann wird der alte Anbieter die Portierung zunächst verweigern. Es ist daher wichtig im Vorfeld die Namensproblematik zu klären. Ähnliche Schwierigkeiten sind bei der Angabe von Titeln oder zweiten Vornamen bekannt. Erkundigen Sie sich daher im Zweifel rechtzeitig welche Daten beim alten Anbieter hinterlegt sind.

Extra Vertrag –  extra Kündigung

Achten Sie weiterhin darauf, das wirklich alle Vertragsbestandteile die Sie nicht mehr haben möchten beim alten Anbieter gekündigt werden. Manchmal kommt es vor, dass bestimmte Tarifoptionen unter einer anderen Vertragsnummer zugeordnet wurden. Häufig passiert dies, wenn Ihnen der alte Anbieter z.B. für die Startphase einen Surfstick zur Verfügung gestellt hat. Dieser ist in der Regel kostenlos solange es einen Hauptvertrag gibt. Wird dieser Hauptvertrag gekündigt, verwandelt sich der kostenlose Zusatzvertrag über den Surfstick plötzlich in einen eigenständigen, kostenpflichtigen Vertrag der separat gekündigt werden muss. Der neue Telefonanbieter übernimmt solche Kündigungen in der Regel nicht.

Selber kündigen

Sie können den alten Vertrag natürlich auch selber kündigen und später einen neuen Anbieter suchen. Sorgen Sie dafür, dass die Kündigung fristgerecht beim alten Telefonanbieter eingeht und Sie den Zugang beweisen können. Als sinnvoll hat sich die Versendung per Einschreiben mit Rückschein herausgestellt. Der neue Anbieter kann dann später immer noch mit dem Altanbieter bezüglich der Übernahme der Leitung und Rufnummer Kontakt aufnehmen. Hier kommt es jedoch oft zu Schwierigkeiten da dies nicht der ideale Arbeitsablauf für die Anbieter ist. Es gibt sogar Anbieter die behaupten, dass die fristgerechte Kündigung des Verbrauchers, durch den späteren Erhalt eines Portierungsformular mit Kündigungsklausel außerhalb der Kündigungsfrist, aufgehoben wird. Auch wenn diese Behauptung absoluter Unfug ist, bedeutet Sie erst einmal viel Ärger und im Zweifel eine tote Leitung.

Keine Leistung – k(l)ein Geld

Klappt der Wechsel nicht wie vorgesehen am mitgeteilten Wechseldatum muss Sie der alte Anbieter solange weiter versorgen bis der Wechsel ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Der neue Anbieter erhält bis zum erfolgreichen Wechsel in der Regel keine Vergütung. Der alte Anbieter muss sich gemäß § 46 TKG mit der Hälfte des Grundentgelts zufrieden geben. Sollte der Anbieterwechsel trotz der Beachtung unserer Tipps nicht reibungslos klappen, sollten Sie entweder eine Verbraucherzentrale einschalten oder sich direkt an die Beschwerdestelle zum Anbieterwechsel bei der Bundesnetzagentur wenden.

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