Telefonanbieterwechsel ohne Probleme

Der Wechsel des Telefonanbieters kann eine einfache und lukrative Sache sein, wenn man einige Spielregeln beachtet. Hundert Euro Ersparnis pro Jahr und mehr oder bessere und schnellere Internetanschlüsse lassen sich auch heute noch relativ einfach durch einen Telefonanbieterwechsel erreichen. Sie sollten den Wechsel nur vorbereiten und sich nicht mal eben zwischendurch von einem Anbieter mit tollen Werbeversprechen bequatschen lassen.

Die durchaus verbraucherfreundlichen Vorschriften zum Anbieterwechsel finden man im Telekommunikationsgesetz (TKG). So wird dort beispielsweise festgelegt, dass der Verbraucher bei Wechsel nicht mehr als einen Tag ohne Telefonanschluss sein darf und das er entschädigt wird, falls dies doch einmal passieren sollte.

Das wichtigste zum Telefonanbieterwechsel in Kürze

  • Achten Sie auf die Laufzeit und die Kündigungsfristen Ihres alten Vertrages
  • Lassen Sie den neuen Anbieter die Kündigungsformalitäten übernehmen
  • Geben Sie dem neuen Anbieter ausreichend Zeit um die Kündigung einzureichen (ca. 6 Wochen VOR der Kündigungsfrist)
  • Die Adressdaten des alten und neuen Vertrages müssen 100% übereinstimmen
  • Lesen Sie sich alle Schreiben des alten und neuen Anbieters die Sie im Rahmen des Telefonanbieterwechsels erhalten besonders aufmerksam durch
  • Sperren Sie unnötige Rufnummern (0900, 118XX, 0137 etc.) die schnell zur Kostenfalle werden können

Der alte Telefonanbieter

Bevor Sie sich einen neuen Telefonanbieter suchen, sollten Sie sich zunächst noch einmal intensiv mit Ihrem Alten beschäftigen. Suchen Sie die Vertragsunterlagen heraus und schauen Sie sich genau die vereinbarte Laufzeit und die vertraglich vereinbarten Kündigungsbedingungen an. In den meisten Fällen haben Telekommunikationsverträge eine Erstlaufzeit von 24 Monaten die sich dann automatisch um ein Jahr verlängern. Längere Fristen sind in der Regel unzulässig. Die Kündigung muss oft drei Monate vor Ablauf des Vertrages beim Anbieter eingehen. Einige TK-Anbieter sind aber auch mit vier oder sechs Wochen zufrieden. Die genauen Fristen finden Sie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Aus Beweisgründen sollten Sie Kündigungen per Einschreiben mit Rückschein versenden.

Nehmen wir mal ein Beispiel:

Sie haben am 15. Oktober 2012 einen Vertrag mit Telekom abgeschlossen. Die Mindestlaufzeit beträgt 24 Monate und der Vertrag verlängert sich um jeweils ein Jahr, wenn nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wurde. Die tatsächliche Schaltung des Telefonanschlusses erfolgte am 2. November 2012.

Wann muss die Kündigung spätestens bei der Telekom eingehen?

Lösung: Die Kündigung muss jeweils bis zum 14.7. eines Jahres bei der Telekom eingehen damit der Vertrag zum 14. Oktober ausläuft. Frühestens war dies im Jahr 2014 möglich.

Da Sie bei Abschluss eines neuen Vertrages maximal 24 Monate gebunden sein dürfen, muss man in solchen Fällen immer vom Tag der Vertragsbindung ausgehen und nicht vom Anschalttag.

Schauen Sie also in Ihren Vertrag und sehen Sie nach bis wann Ihr Vertrag läuft und wann die Kündigung spätestens beim Anbieter sein muss.

Selber kündigen oder kündigen lassen

Wenn Sie nun Ihren spätesten Kündigungstermin raus gefunden haben, stellt sich die Frage, ob Sie selber den Vertrag kündigen oder ob dies der neue Anbieter für Sie übernehmen soll. Die bessere Wahl ist eindeutig, wenn der neue Anbieter die Kündigung für Sie ausspricht.

Insbesondere wenn Sie auch Ihre bisherige Rufnummer behalten möchten, würde ich Ihnen dringend dazu raten die Kündigung und Portierung (Rufnummernmitnahme) durch den Neuen durchführen zu lassen. In diesem Fall darf der Kündigungstermin allerdings nicht kurzfristig anstehen, da Ihr neuer Anbiete meist eine Vorlaufzeit von einigen Wochen benötigt. Sie sollten daher zusätzlich zur „normalen“ Kündigungsfrist ca. 6 Wochen zusätzlich rechnen.

Nehmen wir das Beispiel von oben.
Der richtige Zeitpunkt um den Anbieter zu wechseln wäre hier Ende Mai.

Hintergrund warum die Kündigung durch den Anbieter sinnvoll ist, ist die Tatsache, dass die beiden Anbieter sich bezüglich der Übergabe der Telefonleitung und ggf. auch der Rufnummern absprechen müssen. Dabei handelt es sich weitestgehend um ein automatisiertes Verfahren. Wichtig ist, dass beiden Anbieter die exakt gleichen Daten vorliegen haben und frühzeitig miteinander kommunizieren können.

Bei den Daten müssen sowohl die Anschrift wie auch die beteiligten Personen genau übereinstimmen. Manchmal kommt es vor, dass in der Anschrift ein Schreibfehler vorliegt der bisher keine Auswirkung hatte (z.B. Leibziger Str. statt Leipziger Str.) oder der Name der Personen hat sich geändert (z.B. durch Heirat oder Erwerb eines Dr. Titels) Diese Kleinigkeiten stören den Postboten bei der Zustellung der Rechnung in der Regel nicht. Bei einem Anbieterwechsel ist es eine Katastrophe. Die Rechensysteme der Anbieter kommen mit solchen Fehlern nicht klar und können im schlimmsten Fall dazu führen, dass Sie sich monatelang mit den Anbietern über Kündigung, Neuanschluss und Rufnummernportierung streiten. Daher prüfen Sie die beim alten Anbieter vorhandenen Daten und korrigieren Sie diese rechtzeitig bevor Sie wechseln. Beim Neuen müssen dann genau diese Daten angegeben werden.

Selbstverständlich können Sie den Vertrag auch selber kündigen. Dies bietet sich in drei Fällen an:

  1. Sie haben nur noch wenige Tage um die Kündigungsfrist überhaupt einzuleiten oder
  2. Sie wissen noch nicht genau welchen neuen Anbieter Sie wählen möchten oder
  3. Der Umzug steht kurz bevor und Sie möchten erst in der neuen Wohnung zu einem neuen Anbieter wechseln.

In den Fällen 1 und 2 steigt das Risiko von Problemen beim Wechsel je knapper die Restlaufzeit ist.

Portierung der Rufnummer

Haben Sie die Kündigung selbst durchgeführt, können Sie auch später noch Ihre alte Rufnummern mitnehmen. Teilen Sie dies einfach Ihrem neuen Anbieter bis zum Ende des Altvertrages mit. Je eher, desto besser.

Da die Portierung und die Kündigung auf dem gleichen Formular stehen, versuchen einige Altanbieter bei einer nachträglichen Portierung die Kündigungsfristen auszuhebeln. Sie behaupten, dass mit der nachträglichen Zusendung des Portierungsformulars auch die alte Kündigung aufgehoben werde und ein Wechsel erst ein Jahr später möglich sei. Lassen Sie sich mit einer solchen Aussage nicht hinters Licht führen. Die alte, fristgerechte Kündigung bleibt bestehen. Bei Schwierigkeiten wenden Sie sich an eine Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt.

Die Wahl des richtigen Anbieters

Damit der Telefonanbieterwechsel für Sie ein Gewinn wird, müssen Sie zunächst überlegen was Sie eigentlich mit dem Anschluss machen wolle. Hier einige Fragen die Sie für sich selbst beantworten sollten:

  1. Nur Telefon oder auch Internet?
  2. Wie schnell soll der Anschluss sein? Dies richtet sich danach was Sie machen möchten, je mehr Daten fließen und je mehr Nutzer gleichzeitig den Internetanschluss nutzen, desto höher sollte die Datenrate sein. Wenn Sie nur ab und zu mal ein bisschen surfen und Emails abrufen und dies meist auch nur mit einem Gerät gleichzeitig im Haushalt reichen 6.000 Mbit/Sekunde aus. Möchten Sie allerdings auch mal einen Film sehen oder wird der Anschluss auch z.B. von Kindern genutzt, sind 16.000 oder besser mehr sinnvoll.
  3. Brauchen Sie eine echte Flatrate mit unbegrenztem Traffic bei hoher Verbindungsgeschwingdigkeit oder genügt ein Tarif mit begrenztem „Highspeed“ Volumen? Dabei wird dann nach z.B. 5 GB die Surfgeschwindigkeit massiv verschlechert. Man spricht auch von sogenannten Drosseltarifen.
  4. Benötigen Sie nur eine Rufnummer oder eventuell direkt mehrere (z.B. für Kinder oder den Beruf)?
  5. Brauchen Sie eine Telefon- oder Internetflatrate? (In den meisten Fällen sinnvoll.)
  6. Telefonieren Sie oft ins Ausland oder in Mobilfunknetze?

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters auf diese Punkte, um den für Sie optimalen Tarif zu erhalten. Hilfreich ist dabei der Tarifrechner von Teltarif oder der kommerzielle Tarifvergleich von Check24*.

Was tun, wenn es beim Telefonanbieterwechsel doch Probleme gibt?

Klappt der Wechsel nicht wie geplant und gibt es immer wieder Probleme mit der Schaltung des Neuanbieters sollten Sie zwei Dinge beachten:

  1. Lassen Sie sich nicht lange vertrösten. Reklamieren Sie sofort schriftlich und setzten Sie dem Anbieter eine Frist um vorhandene Fehler zu beheben. Mit einer Frist von zwei Wochen (genaues Datum angeben) liegen Sie meist ganz gut.
  2. Wenn die Umstellung am mitgeteilten Anschalttermin nicht klappt, muss Sie der alte Anbieter umgehend bis zur Klärung wieder aufnehmen. Dafür müssen Sie sogar laut § 46 TKG nur 50% der Grundentgelte des Altanbieters zahlen. Der Neue erhält bis zur ordnungsgemäßen Schaltung gar nichts. Auch hier gilt:Schnell reagieren und möglichst nachweisbar.

Der Bundesgerichtshof sieht sogar einen Schadenersatzanspruch des Verbrauchers für jeden Tag an dem der Telefon- und Internetanschluss nicht zur Verfügung steht.

Gibt es dann immer noch Schwierigkeiten wenden Sie sich an die Bundesnetzagentur, eine Verbraucherzentrale oder Rechtsanwalt.

* = Partnerlink

2 Gedanken zu „Telefonanbieterwechsel ohne Probleme

  1. Eine SEHR wichtige Fragestellung wurde vergessen:

    Wie viel Traffic habe ich im Monat?

    In einer Zeit, in der die meisten Anbieter versuchen, Tarife mit „DSL-Drosseln“ zu verkaufen (also eine Flatrate, ausßer man nutzt sie auch), ist das SEHR wichtig. Dabei dürfte es vollkommen egal sein, ob jemand P2P nutzt, WOW spielt oder viele HD-Filme sehen will. Eine DSL-Drossel macht den Anschluss ggf. für den Zweck für den man überhaupt Internet haben will vollkommen unbrauchbar.

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